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Romantiknik

2010/02/11
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Der Alltag frisst viel Zeit zum bloggen, außerdem arbeite(te) ich an zwei größeren Projekten, die unmittelbar mit Berlin zu tun haben. Doch es gibt immerhin einen Alltag, wobei er sich gerade wieder aufzulösen droht, da die vorlesungsfreie Zeit beginnt. Doch ich profitiere noch davon, zum Beispiel bekomme ich keinen Nervenzusammenbruch mehr auf dem Markt und werde auch nicht mehr (so sehr) abgezogen. Außerdem bin ich endlich in ein standesgemäßes Zimmer umgezogen. Vom French Hill ins City Centre in ein bezauberndes Reich mit Rosentapete. In der Innenstadt zu leben ist schon viel angenehmer, vor allem der Effekt auf mein Sozialleben ist beachtlich- es findet immerhin eines statt. Die unmittelbare Nähe zum Uganda macht es zu meinem Wohnzimmer. Außerdem steigert sich auch die Cinemathekquote, was an meiner grundsätzlichen Schwierigkeit mit dem Medium nicht viel ändert. Gestern versuchten wir und an “The Bubble”, einem Film über ein israel-arabisch schwules Pärchen aus Tel Aviv. Nach 40 Minuten endete es für mich und als ich Ulla und Kristof heute auf der Lecture über das Politische bei Arendt in der Barbur Gallery traf, wurde klar, dass auch die anderen 80 Minuten kein Zuckerschlecken sind.

Ein Zuckerschlecken der anderen Art mit besonderem Zucker ist sicherlich “Inglorious Basterds” von Tarrentino in Jerusalem zu sehen. Ick samma “Kontext”, wa. Ganz herrlich! Das machte sehr viel Freude!

Ebenfalls viel Freude bereitete der Ausflug in den Norden. Raus aus Jerusalem zu kommen ist schön und dann noch mit dem Auto im dunkeln in den schöneren Norden zu fahren am schönsten. Gerade ist ja Winter, soll heißen die wüsten Hänge in Jerusalem fangen an zu grünen und im Norden sieht es aus wie Schottland. Es ist grün und es gibt Berge. Wir waren wandern in zwei Naturschutzgebieten. Leider gab es nicht so viele Tiere zu sehen. Außer einer Hand voll Eidechsen, einem Tausendfüßler, einem unglaublich rotem Käfer, Geiern im Gehege und einer Stachelschweinborste konnte sich der Rest der Fauna gut verstecken. (Abgesehen von den Truthähnen, den Hühnern und dem Pfau in Vereds Garten und Moskitos). Auch gut verstecken konnten sich die günstigen Übernachtungsmöglichkeiten. Unsere erste Idee war es in einem der im Norden ansäßigen Kibuzzim abzusteigen, doch die 500 NIS für ein Zimmer zu viert (ein Hostel in strandnähe in T.A. kostet 70 NIS/Person) führten dazu, dass wir der romantischen Vorstellung beraubt wurden dort gegen abwaschen für alle und fünf Avokados pflücken übernachten zu können. Immerhin gab es einen super Spielplatz zum schaukeln, immerhin ein bischen Romantik. Vielleicht sollte ich mal mehr in Jerusalm schaukeln um der von der Gentrifizierung durch Luxushotels/-wohnungen gebeutelten Stadt auch wieder etwas mehr Romantik abringen zu können… Die Landschaft wandelt sich stark vom Norden in den Süden am Jordan entlang, das einzige was gleich bleibt vom See Kinnereth/ Genezareth den Jordan entlang abwärts ist die Grenze zu Jordanien auf der linken Seite. Rechts beginnt es grün und endet wüst. Auf dem Weg lässt sich gut feststellen, dass das Gelände schon lange umkämpft ist. Auf der Strecke besuchten wir eine Kreuzfahrerburg die bereits im Mittelalter von den Kämpfen im heiligen Land zeugte. Um die Ruinen herum gibt es heute ein Naturschutzgebiet und es ist komisch, die dicken Wände und die damaligen Sicherheitsvorkehrungen zu sehen, wenn es schon lächerlich wirkt mit heißem Öl übergossen zu werden in Anbetracht der heutigen Grausamkeiten.

Eben auf der Ben Yehuda waren wieder mal die Nachmans dabei fleißig gute Laune und schrecklichen Techno unter die Leute zu bringen. Und drei Halbstarke baten uns ihnen eine Flasche Vodka zu kaufen, als wir dies ablehnten: “Hey, come on. You see, Israel is even worse than russia.”, “No thats how it works everywhere.”.

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